Samstag, 16. November 2013

In der Ideenküche brodelt es: Hintergründe zu meinem Weg zum Schreinermeister

Durch die langwierige Werkstattoptimierung (langweilt es euch noch nicht? Ich kann es gleich selbst nicht mehr hören :-) ), kann ich wieder viel nachdenken und dabei kommt so einiges zusammen was ich wie gewohnt mit euch teilen möchte. Ach ja, ausser die Wände zu streichen kommt auch gleich eine komplett neue Beleuchtung rein. Ein befreundeter Schreiner meinte, dass ich bei der gewählten Leuchtstärke doch lieber Sonnencreme benutzen sollte wenn ich in der Werkstatt arbeite. Was soll's, wenn die Sehkraft abnimmt muss es eben etwas heller sein!

Nun, wie ihr wisst mache ich ja den Meisterbrief. Ausser eurer moralischen Unterstützung gibt es aber dafür im näheren Umfeld wenig Verständnis, wofür ich meinerseits wiederum vollstes Verständnis habe. Es ist ein sehr ungewisses Terrain, mir fehlt die Erfahrung und das Umfeld ist rau. Meiner Familie kann und darf ich kein Risiko antun und das beflügelt meine Fantasie mir einen Weg zu suchen der auf mehreren sicheren Stützen ruht.

Steve Jobs hat gesagt: Deine Zeit ist begrenzt, lebe dein Leben, nicht das der anderen! Was Steve Jobs uns nicht sagt, ist wie man das hinbekommt ohne seine Nächsten zu schädigen. Er mag Erfolg gehabt haben, aber man kann genau so gut auf die Schnauze fallen. Das wäre fatal! Meine Einstellung zum Leben ist immer gewesen das abgedeckte Risiko zu wählen. Damit macht man zwar keine grossen Sprünge aber man riskiert auch nicht über die Klippe zu fallen. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt aber wer alles wagt kann alles verlieren. Der goldenen Mittelweg ist angesagt und eine Grunddisziplin!

Das passt eigentlich jetzt gar nicht in einen Holzwerkerblog, aber wir können einiges lernen aus der Finanzkrise. Die ganze Sache ist ja schlussendlich entstanden aus der Gier aus Versprechen Geld zu machen. Ich leih dir Geld und verkaufe einem Dritten das Versprechen, dass ich von dir das Geld + Zinsen zurück bekomme. Hmmm, nun gibst du mir das Geld nicht zurück und der Dritte und ich stecken in der Sch... . Das Problem entsteht aus dem unbekümmerten Umgang mit, auf vermuteten Rückzahlungen und vermeintlich durch den Objektwert gedeckten Schulden. Der besagte Dritte hat vielleicht an einen Vierten und der an einen Fünften u.s.w. diese Rückzahlungsversprechen verkauft. Wenn einer schlapp macht, dann machen alle schlapp! Was ich damit sagen möchte ist, dass man Schulden und die damit verbundenen Risiken mit verzichtbaren Gütern abdecken sollte. Wenn man eine Hypothek auf sein Haus aufnimmt, dann ist das ein nicht verzichtbares Gut und sollte anderweitig abgesichert sein. Puhhh, ein Riesen Umweg um auf den Punkt zu kommen: Potentiell ungedeckte Schulden behindern uns an einer freien Entfaltung. Der Weg zur Abdeckung der Schulden ist lange und beginnt in der Jugend und verlangt schon dann ein Aussenseiter zu sein und verzichten zu können auf das tolle Auto u.s.w. - Konsolidierung würde euer Schäuble sagen! Ich sage: Gib nicht mehr Geld aus als du hast, ausser für Verzichtbares! Entgegen dessen, was uns vorgegaukelt wird, finde ich, dass Sparen angesagt ist!

So, jetzt kommen wir aber auf den Punkt: Bevor ich also irgendwie versuchen werde mit ungewissen Einnahmen aus Schreinern mein Leben zu verdienen, baue ich mir einige sichere Einnahmequellen auf die das Risiko von zeitweise fehlenden oder versemmelten Aufträgen ausgleichen können. Ich möchte damit bewusst ein wenig die Märchenstimmung aus meinem Projekt "Schreinermeister" herausnehmen um nicht falsche Vorstellungen aufkommen zu lassen. Wenn dieses Projekt ohne Hintergründe im Raum steht, dann könnte das ein verzerrtes Bild ergeben. Ich bin, jetzt mit 47, potentiell schuldenfrei und somit etwas freier in meiner Entfaltung. Nichts desto trotz muss ich aber meinen Unterhalt und den meiner Familie noch bis zur Rente in 15 Jahren verdienen. Somit verbietet sich ein unbekümmertes "Aussteigen".

Bevor ich also alle Stricke kappe, werde ich versuchen in meinem gelernten Beruf, also der IT-Branche als Selbstständiger Fuss zu fassen. Ich gebe mir dafür 2 Jahre Zeit, in denen die Holzwerkelei etwas kürzer kommt. Nach 3 Jahren kommt dann, wenn ich nichts vermurkse, der Meisterbrief als Schreiner dazu und wird dann hoffentlich ein Nebenverdienst. Wie sich beide Arbeiten verteilen, wird der Markt entscheiden. Das IT Business soll auf jeden Fall den Grundbedarf decken, das Schreinern ist dann Taschengeld.

So, ich hoffe, dass euch dieser Post nicht zu sehr verstört und ich verspreche, dass es hier weiter geht, wenn auch etwas langsamer.


Kommentare:

  1. Hallo Marc,

    das ist sehr vernünftig ! Ich arbeite auch in der IT Branche und kann dadurch meine Familie sicher und gut ernähren.

    Deine Idee, den Schreinermeister zu machen und den Bits und Bytes den Rücken zu kehren, hat mich auch eine gewisse Zeit träumen lassen. Endlich einen Job in dem man etwas "schafft" und "erstellt" und ein gewisses Zufriedenheitsgefühl sich einstellt. Was bei einem Datenbank Merge nicht unbedingt statt findet, auch wenn es die SAP Datenbank ist und die fürs Unternehmen wichtiger ist als jeder hölzerne Schirmständer im Empfang. Auch wenn dieser handgefertigt ist.

    Deine Idee sich in der IT selbstständig zu machen ist denke ich äußerst lukrativ und auch sehr Zukunfstsicher. Und vor allem, wenn das läuft, kannst Du entspannt Deine ersten Schritte mit dem Gelderwerb in Holz machen.

    Sollte das nicht klappen, wovon ich nicht ausgehe, hättest Du aber immer noch einen "reinen Lebenslauf" Was will ich damit sagen.

    Angenommen, Du möchtest in 5 - 7 Jahren wieder zurück an den gewohnten Industrie Schreibtisch mit der besagten SAP Datenbank. Dann würde da stehen, 7 Jahre selbständiger IT Berater mit entsprechenden Referenzen. Im Gegenteil, man würde Dich finden und Dir einen Job anbieten und hoffen, das Du Deine Selbständigkeit aufgibst und dich wieder in die Dienste einer Firma begibst. Also eigentlich "Null" Risiko.

    Würde da aber stehen, ausgestiegen aus der IT und Schreinermeister gemacht, wärst Du nach 7 Jahren weg vom Markt. Und dies würde auch ein wenig als Träumerei angesehen werden.

    Kannst Du aber beides nachweisen, IT und nebenher aus Leidenschaft sozusagen den Meister in Holz gemacht, würde das sogar positiv gesehen werden. Der Mann hat Durchhaltevermögen.

    Ich hoffe ich bin jetzt nicht zu weit gegangen und habe zu viel persönliche Vermutungen angestellt.

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und mich freut es, diesen Weg in den nächsten Jahren hier weiter lesen zu können.

    Vielen Dank für Deinen ehrlichen Blog

    Gruß Andi

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    1. Hallo Andi,

      Deine Vermutungen sind alle zutreffend und gehen sicher nicht zu weit. Die komplette Selbstständigkeit ist mein primäres Ziel und der sicherste Weg dahin ist eben das Gelernte umzusetzen.

      Danke für deinen ausführlichen und wertvollen Kommentar.

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  2. Grüß Dich Marc,

    sehr interessant. Ich hatte ehrlich nicht gedacht, dass Du nicht nur dien einen großen Schritt gehst, sondern gleich zwei, was das alles zu einem riesiegen aber wohl gut geplanten Schritt macht. Ich nehme an die Selbststädnigkeit erfolgt unabhängig von der Entscheidung zur professionellen Schreinerei?

    Die spannende Frage ist doch was macht Dich glücklich, wie ist der Weg dahin und kannst Du es Dir in mehrfacher Sicht leisten (Zeit, Familie, Geld). Und wenn Du dies sauber durchplanst, davon gehe ich aus, Deine Pläne sauber abgewogen und mit verschiedensten Leuten, auch Kritikern besprochen diskutiert und "bestritten" hast, dann kann man die Schritte doch wagen.

    Sicherlich ist es eine Art Versicherung in Deiner Branche den Fuss zu behalten und Dich auf der anderen Seite weiter zu entwickeln. Allerdings kam mir beim Lesen Deiner Zeilen so der Gedanke, ob und wie Du Dich in Deiner geplanten Selbstständigkeit zurechtfindest und sich das dann, gerade zeitlich gesehen, mit dem Vorhaben "Meister" vereinbaren lässt.

    Ich bin sehr gespannt wies bei Dir weitergeht.

    LG

    Martin :o)

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    1. Den Schritt in die Selbstständigkeit habe ich vor 10 Jahren bereits gemacht aber im Einzelhandel und nicht ganz alleine. Jetzt folgt eben die komplette Unabhängigkeit und wenn ich sehe wieviel meiner Energie ich aktuell "verdünnen" muss, dann arbeite ich lieber für mich alleine. Das ist auch sicher das was mir am meisten Freude bereiten wird: Zu wissen, dass ich alle Früchte meiner Arbeit ernten kann. Die IT Branche scheint mir aktuell ganz klar der sichere Weg um ein Grundeinkommen zu generieren. Der Weg zum Meister nimmt mir nur unwesentlich viel Zeit in Anspruch und ist sicher ein willkommener Ausgleich für das bevorstehende intellektuelle Marathon. Die beiden Sachen lassen sich auch prima kombinieren: Handwerksbetriebe brauchen auch immer mehr IT ;-).

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  3. Hallo Marc,

    ich habe gerade per Zufall Deinen Blog gefunden und war gleich überrascht ob der Namensgleichheit und auch noch dieselbe berufliche Richtung wie ich - Ich bin zwar in der Webentwicklung, aber IT ist IT :-)

    Der Meister nimmt nur unwesentlich viel Zeit in Anspruch? Das liest sich in Deinen anderen Artikeln aber anders... Und die Früchte müssen ja erst einmal geerntet werden ;-) Ich habe einige Jahre selbstständig Webentwicklung betrieben und kann aus dieser Erfahrung sagen, dass IT als Selbstständiger kein Selbstläufer ist. Als was möchtest Du Dich selbstständig machen?

    Ich drücke Dir in jedem Fall fest die Daumen, dass es so klappt, wie Du Dir das vorstellst.

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    1. Hallo Marc,

      Treffender wäre gewesen, dass der Meister nur unwesentlich Energie in Anspruch nimmt! Zeit geht schon einige drauf. Meine Erfahrung, nach 25 Jahren aktiver Teilnahme am Arbeitsmarkt, bestätigt, dass wohl keine Arbeit ein Selbstläufer ist! Das stört mich aber nicht im Geringsten, weil ich sehr gerne und viel arbeite, leider nur gefühlt zu langsam, jedenfalls nach Auffassung meiner Liebsten ;-).

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