Sonntag, 12. Februar 2012

Maschine vorgestellt: MiniMax FS30 Genius

Nach dem radikalen Werkstattumbau haben 2 stationäre Maschinen Einzug gehalten die ich versprach genauer vorzustellen. Jetzt, nach 10 Monaten Nutzung möchte ich euch den Abricht-, Dickenhobel FS-30 Genius etwas genauer zeigen.
Die Maschine wird in Deutschland vertrieben von der Firma Stürmer unter dem Markennamen Holzkraft. Anderswo in der Welt kennt man diese Maschinen unter dem Namen MiniMax der wiederum zu der SCM Gruppe gehört mit Sitz in Italien. Sie werden im Werk in Rimini zusammengebaut aus Teilen die natürlich auch mal aus Asien kommen können, so gesehen an der Schiebeschlittenverlängerung meiner Formatkreissäge die ich nachgeliefert bekam. Der Motor kommt von Bonani was wieder eher nach Italien klingt. Die ganzen Unterlagen (CE Konformität, Schaltplan, Teilelisten) sind von SCM in Italien gezeichnet.
Die Maschine wurde sauber verpackt auf einer Palette geliefert. Alle Zubehörteile waren fest mit der Maschine in Folie eingewickelt, so dass nichts wackeln oder beim Transport aneinander schlagen konnte. Alle blanken Metallteile waren mit einer dicken Wachsschicht vor Korrosion geschützt.

Der Fügeanschlag ...
... gleitet auf einem Vierkantrohr und wird mittels des grauen Hebels festgestellt. Der Reiter, auf dem der Anschlag sitzt, ist aus Aluguss und die Rechtwinkligkeit lässt sich mit einer Inbusschraube justieren. Nach Lösen der schwarzen Hebelschraube lässt sich der Anschlag längs aus dem Reiter schieben und im 45° Winkel montieren. Die ganze Konstruktion ist einfach aber stabil. Vor Allem bleibt die Rechtwinkligkeit erhalten beim Umbau zwischen Abrichten und Dickenhobeln. NB: In einem früheren Post erläuterte ich wie ich den Anschlag modifiziert habe.

Die Tische, die Hobelwelle und der Hobelschutz:
Die Tische haben eine Gesamtlänge von 1200mm. Sie sind aus Grauguss und die Oberfläche ist gefräst und zeigt dadurch bogenförmige Rillen quer zur Längsachse auf. Werden die Tische nicht gleich nach dem Entfernen der Transport-Schutzschicht mit Wachs versiegelt, zeigen sie sehr schnell Zeichen von Flugrost. Das Behandeln der Oberfläche mit Wachs verbessert auch erheblich deren Gleiteigenschaft.
Die Hobelwelle ist 300mm breit, besteht aus aneinandergereihten Stahllamellen und trägt 3 Tersa-Wendemesser. Die Länge von 300mm scheint unüblich zu sein und Ersatzmesser erhalte ich nur von Holzkraft. An der Vorderseite der Maschine kann eine Langlocheinrichtung (optional) angebracht werden.
Den Schutz der Welle übernimmt eine, dem Stand der Technik entsprechende, Schutzbrücke die von einem Fremdhersteller stammt.

Das Umrüsten zum Dickenhobeln ...
... geht schnell von Hand. Der Fügeanschlag bleibt auf der Maschine und wird nur ganz zurückgeschoben. Nur der linke Tisch samt Schutzbrücke wird hochgeklappt. Dabei gibt es keine Federunterstützung. Der Tisch klappt rechtwinklig und gerade nach hinten und es entsteht keinerlei Überhang, sodass die Maschine eng an einer Wand stehen kann. Der Dicktentisch ist von einer zentralen Säule getragen und erlaubt bis 200mm Dicke an Durchlass. Er muss zur 100mm Marke herunter gekurbelt werden um den Absaugstutzen nach unten zu klappen. Der Absaugschlauch kann beim Umrüsten an der Maschine bleiben. Der Vorschub wird über den Hebel links eingeschaltet. Es gibt nur eine Vorschubgeschwindigkeit. Das Umrüsten dauert weniger als eine Minute.

Abrichten:

Erst wenn die Tische gewachst sind oder mit anderen Mitteln deren Gleiteigenschaft verbessert wurde, macht die Maschine Spaß beim Abrichten. Dadurch, dass der Fügeanschlag ganz nach hinten verschoben werden kann, kann man die ganze Breite der Hobelwelle auch nutzen ohne ihn abbauen zu müssen. Die Einstellung der Spanabnahme erfolgt über einen Hebel
Die maximale Abnahme von 3mm habe ich bisher nur an sehr krummen Brettkanten genutzt. Die Maschine hat einen Drehstrommotor mit 1.5kW Leistung und Abrichten von 200mm breiten Buchenbrettern bleibt "angenehm" bis etwa 0.75mm Abtrag. Darüber bedarf es schon erheblichen Druck zum Vorschieben und der Motor verliert an Drehzahl.

Dickenhobeln:

Der Abtrag beim Dickenhobeln von breiten Brettern soll auch nicht übertrieben werden weil erstens die Maschine spürbar belastet wird und auch das Hobelergebnis weniger sauber ausfällt. Beim Dickenhobeln ist die Spanabnahme durch die Durchlassbegrenzung auf weniger als 3mm begrenzt.

Die fertigen Oberflächen ...

Sind sauber und von seidigem Glanz. Hobelschläge sind bei gemäßigtem Vorschub fast keine zu erkennen. Die schrägverzahnten Einzugswalzen hinterlassen erst Spuren bei weniger als 0.25mm Abtrag. Beim Dickenhobeln sind sporadisch auf 5cm von den Stirnseiten ein Dicktensprung zu erkennen. Das Phänomen und die Ursachen sind auf dieser Seite anschaulich erklärt.

Fazit

Die Maschine ist noch gerade erschwinglich und absolut ihr Geld wert. Alles ist sehr einfach aber robust aufgebaut. Sie war perfekt justiert geliefert worden und überhaupt gab es keinen Moment wo ich den Eindruck hatte, dass bei der Konstruktion irgendwelche Kompromisse gemacht wurden. Die Sache mit dem Fügeanschlag war leicht behoben und ist für Manchen sowieso am Limit zur Haarspalterei. Ich arbeite sehr gerne mit dieser Maschine und sie passt, aufgrund der kompakten Maße und der kleveren Umrüstung ohne Platzverlust, sehr gut in meine kleine Werkstatt.

Bei aller durchscheinender Begeisterung hoffe ich trotzdem objektiv berichtet zu haben. Als eher kritischer Mensch überrascht es mich beim Nachlesen des Posts, dass ich nichts mehr zu bemeckern hatte, aber die Maschine ist eben richtig gut.

Kommentare:

  1. First, apologies for not writing this in Deutsch.
    I know this is an old post but I just wanted to thank you for your review. I've been thinking about getting a FS30 Genius and I haven't found a lot of material from users back here in Brazil about this machine.
    It seems we are on similar situations with a small shop so the compact size definitely is a big plus for me.
    I'll be reading your blog to see what you have been doing with your FS30.

    Danke!

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  2. Hallo Marc,
    du schreibst, dass du das Gerät nach der Lieferung mit Wachs versiegelt hast. Welches Produkt hast du dort verwendet. Muss man dabei eventuelle Besonderheiten beachten? wie macht man (Frau) dies?
    Ist beim Kauf des Hobels auch ein anderes Produkt infrage gekommen?
    Ich finde deinen Blog sehr informativ. Vielen Dank für die viele Mühe die du damit hast.

    Liebe Grüße Kati!

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    1. Da wo steht "mit Wachs versiegelt" kannst du ja mal drauf klicken dann gelangst du auf den Post der kurz beschreibt wie ich es gemacht habe. Ich denke, dass auch Parafin (Teelicht) ganz OK ist.
      Ich habe mich für genau diese Maschine entschieden weil sie sehr kompakt baut, vorallem ohne Überhänge nach hinten was wichtig ist für eine wandnahe Aufstellung.

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  3. Hallo Marc,
    ich bin am überlegen mir eine minimax fs30 classic anzuschaffen. Leider konnte ich die Maschine bisher noch nicht "live" sehen. Genauso wie bei der genius ist der Fügeanschlag nur auf einer Seite des Abrichttisches befestigt. Ich habe Bedenken, das man in der Nähe der Hobelwelle nur wenig seitlichen Druck ausüben kann. Wass zeigt deine praktische Erfahrung?

    Gruß Michael

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    1. Du brauchst keine Bedenken zu haben, der Anschlag ist ausreichend steif.

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